Katagorie:-

Nagetiere treten in annähernd allen Lebensbereichen auf; daraus folgt, daß Bekämpfungsmaßnahmen unter einer Vielzahl verschiedener Umweltbedingungen durchgeführt werden müssen.

Leider ist damit ein ganz entscheidendes Erschwernis verbunden: es sind eine Vielzahl rechtlicher Vorschriften zu berücksichtigen, die den Rahmen für ”das Erlaubte” setzen. Selbst in Fachdiskussionen von eigentlich beeindruckenden Strategien zur Bekämpfung wird deutlich, daß diese rechtlichen Einschränkungen in ihrer Konsequenz oft nicht erkannt sind.

Rechtlich gesehen sind für den Schädlingsbekämpfer, der im Freiland (und dazu gehören auch Hofflächen oder andere den umbauten Raum berührende offene Geländeteile) tätig werden kann, drei Grundsatzbereiche mit in sich geschlossenen Vorschriftenpaketen zu trennen:

  • die Tätigkeit nach dem Pflanzenschutzrecht (Pflanzen- und Vorratsschutz)
  • die Tätigkeit im Hygienebereich mit öffentlichem Auftrag auf der Grundlage der Vorschriften des Human- und des Veterinärseuchenrechts
  • die Tätigkeit außerhalb dieser beiden Felder.

Dieser Bereich ist derzeit noch unvollständig geregelt und wird deshalb oft als ”Graubereich” bezeichnet. Eine rechtliche eingehende Regelung, die diesen Bereich auf das Niveau der Vorschriften aus dem Pflanzenschutz- und Hygienebereich anhebt, ist von der ”Biozid-Richtlinie” der EU zu erwarten, deren Beratungen bereits im Dezember 1996 abgeschlossen wurden und deren Verabschiedung dem Vernehmen nach bevorsteht.
Eine Zusammenstellung wichtiger Rechtstexte findet sich in folgender Tabelle.

Bezeichnung

Aussage zu folgenden Bereichen

Bemerkungen

Pflanzenschutzgesetz i.d.F. v. 15.09.86

 

Schutz von Pflanzen auf Kulturflächen, auch; Einsatz von Rodentiziden

 

Wird derzeit neu aufgelegrt. Neufassung ist ca Anfang 1998 zu erwarten.

 

Pflanzenschutz- Anwendungsverordnunq, zuletzt eändert am 24.01.1997

Beschränkungen der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, auch Rodentiziden

 

Tierseuchengesetz i.d.F. v. 20. 12. 1995

 

Grundlage für angeordnete Maßnahnien zur Tilgung / Verminderung der Zahl von Überträgem wichtiger Tierkrankheiten (Vektoren)

 

Bundesseuchengesctz i.d.F. v. 23.04.1996

 

Grundlage für angeordnete Maßnahmen zur Tilgung/Verminderung der Zahl von Übcrträgem meldepflichtiger Humankrankheiten (Vektoren)

 

Tierschutzgesetz v. 17.02.1993

Regelung von Tötungs- und Fangmethoden

 

Wasserhaushaltsgesetz v. 12.11.1996 und Landesverordnungen

Regelung des Begriffs ”Gewässer” und damit der Möglichkeit, Rodentizide im Böschungsbereich einzusetzen

 

Landesnaturschutz- gesetze

Allgemeiner Schutz wildlebender Tiere.

 

Bundesartenschutzverordnung v. 18.09. I 989

Definition verbotener Verfahren zur Bekämpfung auch von Nagetieren.

 

”Biozidrichtlinie*’

Auch: Kegelungen zur Nagetierbekämpfimg außerhalb der Rechtsbereiche des Pflanzenschutz- und Seuchenrechts.

Noch nicht verabschiedet.

Mit der Verabschiedung ist demnächst zu rechnen


Dabei ist einschränkend zu berücksichtigen, daß dort Gesetze und Verordnungen aufgelistet sind, die einheitlich für das Bundesgebiet gelten. In den meistem Fällen wird aber die Durchführung dieser Vorschriften noch durch unterschiedliche Bestimmungen der einzelnen Bundesländer weiter geregelt.

Es ist jedem dringend zu empfehlen, sich über die in den einzelnen Bundesländern geltenden Zusatzvorschriften zu informieren, beispielsweise beim Lehrgang für den im Pflanzenschutzbereich vorgeschriebenen Sachkundenachweis, bei Pflanzenschutzdienststellen oder den Gesundheits- und Ordnungsämtern.

Rodentizide dürfen nach dem Pflanzenschutzrecht nicht in oder unmittelbar an oberirdischen Gewässern und Küstengewässern angewandt werden.

Die routinemäßige Grabenkantenbehandlung zur Bekämpfung von Wanderratten, Schermäusen, Feldmäusen und so weiter ist demnach ohne Ausnahmegenehmigung oder Erlaubnis oft nicht zulässig.

Welche Behörde im einzelnen Bundesland für diese Ausnahmegenehmigung oder Erlaubnis zuständig ist, ist im Einzelfall zu erfragen. Es ist dringend zu raten, vor gr oßräumigen Bekämpfungen diesen Sachverhalt unter Berücksichtigung der örtlichen Vorschriften zu klären.

Mittelwahl

Es dürfen nur solche Pflanzenschutzmittel (hier: Rodentizide = Mittel zur Bekämpfung von Nagetieren im Freiland und im Vorratsschutz) eingesetzt, an Dritte abgegeben oder verkauft werden, die von der Biologischen Bundesanstalt für Landund Forstwirtschaft (BBA) zugelassen worden sind.

Ein vollständiges Anwendungsverbot besteht für:

Arsenverbidungen

 

Crimidin

 

Endrin

 

Beschränkte Anwendungen sind zulässig bei:

Blausäure und Blausäure entwickelnde Verhindungen

Zur Begasung nur in Mühlen, Lagerräumen, in Vorratsräumen und anderen Räumen in Lebensmittelbetrieben und in Transportmitteln und -behältern gegen Vorratsschädlinge

Phosphorwasserstoff entwickelnde Verbindungen, ausgenommen Zinkphosphid als rodentizides Ködermittel

Nur zur Begasung in Lagerräumcn, Vorratsräumen, Silozellen, Transportmitteln und -behältem und unter gasdichten Planen gegen Vorratsschädlinge

Außerhalb von Wasserschutzgebieten und Heilquellenschutzgebieten a) gegen die Schermaus b) gegen den Hamster und den Maulwurf. Nur mit Zustimmung der zuständigen Behörde (Anm.: Obere Naturschutzbehörde)

Thullium-I-Sulfat

nur zur Anwendung in geschlossenen Räumen

Zinkphosphid

Anwendung nur Zulässig in Ködern; in Forsten dürfen die Köder offen ausgebracht werden; außerhalb von Forsten Anwendung nur in verdeckt ausgebrachten Ködern

Anwendung

Eine Liste der zugelassenen Pflanzenschutzmittel ist in den regelmäßig erscheinenden Ausgaben des Pflanzenschutzrnittel-Verzeichnis der BBA zusammengestellt, dessen jeweils gültige Teile (Angaben zu Rodentiziden finden sich in den Teilen 1: Ackerbau, Wiesen und Weiden, Hopfenbau. Sonderkulturen, Nichtkulturiand. Gewässer; Teil 2: Gemüsebau, Obstbau. Zierpflanzenbau, und Teil 5: Vorratsschutz ) (zu beziehen durch die Firma Saphir Verlag, Gutsstra8e 15. 38551 Ribbesbüttel)

Weiter legt die Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung Einschränkungen für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln fest (Verstöße sind Ordnungswidrigkeitenl. Diese Einschränkungen speziell hinsichtlich der Anwendungen von Rodentiziden sind in Tabelle 2 wiedergegeben.

Darüberhinaus sind in den Mittelverzeichnissen der BBA sogenannte Kennzeichnungsauflagen als Nummerncodes in der Spalte ”Besondere Hi nweise” auf jeder Seite enthalten, die bei der Anwendung zu beachten sind. Sie sind auch in den Gebrauchsanleitungen enthalten. Bei Unklarheiten sollte jeder unbedingt Erkundigungen beim Pflanzenschutzdienst anstellen.

Maßnahmen nach Seuchenrecht

Die Bekämpfung von Nagetieren im Hygienebereich dient nicht dem Schutz von Pflanzen oder Pflanzenerzeugnissen, sondern dem Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier. Sie richtet sich gegen Nagetiere als Verursacher und Überträger von Krankheiten und kann durchaus Anwendungen im Freiland mit einschließen, wenn sich dort Überlebensräume der entsprechenden Populationen finden.

Das Bundesseuchengesetz legt fest, wann eine behördlich angeordnete Maßnahme zu ergreifen ist. Werden Tatsachen festgestellt, die zum A uftreten einer übertragbaren Krankheit führen können oder ist anzunehmen, daß solche Tatsachen vorliegen. so trifft die zuständige Behörde die notwendigen Maßnahmen zur Abwendung der dem einzelnen oder der Allgemeinheit hierdurch drohenden Gefahren.

Zur Mittelwahl:

Für den Schädiingsbekämpfer wichtig ist in diesem Zusammenhang: bei behördlich angeordneten Entrattungen dürfen nur solche Mittel und Verfahren angewendet werden, die vom Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz (BGVV) in eine entsprechende Liste aufgenommen worden sind. Diese wichtige im Bundesseuchengesetz testgeschriebene Vorschrift schränkt also die Mittelauswahl ein.

Der Schädlingsbekämpfer außerhalb von Pflanzenschutz- und Seuchenrecht

Übernimmt der Schädlingsbekämpfer einen Auttrag von Einzelpersonen, Firmen oder Behörden, ohne daß für den Einsatz seuchen- oder pflanzenschutzrechtiiche Voraussetzungen gegeben sind (zum Beispiel Bekämpfung von Nagetieren als Lästlingen), entfallen die Vorschriften zur Mittelwahl, die im Pflanzenschutz- und Seuchenrecht enthalten sind.

Der Schädlingsbekämpfer ist in dem verbleibenden Graubereich noch in seiner Auswahl der Wirkstoffe und/oder Mittel frei. Das ist aber nur ein sehr vordergründiger und schein barer Vorteil, weil er dabei Verantwortungen trägt, die ihm sonst die Mittelprüfungen abnehmen.

Außerhalb von Tätigkeiten im Pflanzenschutz- oder Seuchenrechtsbereich sind folgende Fangmethoden verboten (Auszüge aus der Bundesartenschutzverordnung):

  • mit Schlingen, Netzen, Fallen, Haken, Leim und sonstigen Klebstoffen. (Diese Vorschrift gilt nur, wenn so Tiere in größeren Mengen oder wahllos gefangen oder getötet werden können.)
  • mit akustischen oder elektrischen Geräten,
  • durch Begasen oder Ausräuchem oder unter Verwendung von Giftstoffen, vergifteten oder betäubenden Ködern oder sonstigen betäubenden Mitteln.

Die Vorschritt ist, auch wenn zum Beispiel Wanderratte, Hausmaus, Schermaus, Feldmaus, Erdmaus oder Bisam nicht zu den besonders geschützten Arten gehören, dann wichtig, wenn durch ergriffene Maßnahmen Tiere anderer Arten getroffen werden können.

Anfrage


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